EGTA und ESTA Seminar Bern 10. /11. September 2005
Ba-rock and Roll
Musik und Bewegung im Unterricht
Mit Alain Christen (Vevey): Barocktanz; Jürgen Hübscher (Basel): Gitarre,
Ensemble „la Volta“; Bernhard Maurer (Köniz): Violoncello; Claire-Anne Piguet
(Lausanne): Cembalo; Tina Strinning (Lausanne): Violine.
Teilnehmerbericht von Peter Egli, Azmoos
Erwartungsvoll mit Bass- und Oktav- Gitarre beladen reise ich am
Samstagmorgen nach Bern. Um 10.30 Uhr sitzen gut 40 Musiker mit ihren
Instrumenten im grossen Saal des Konservatoriums. Nach der herzlichen Begrüssung
durch die Präsidentin der ESTA Silvia Meier sowie EGTA Präsident Han Jonkers,
richtet der Direktor des Konservatoriums, Werner Schmitt, ein paar
Willkommensworte an die Kursteilnehmer.
Gemeinsamer Teil mit Jürgen Hübscher
Kurze Zeit nach der Begrüssung stehen alle TeilnehmerInnen zum Aufwärmen auf der
Bühne.
Das gemeinsame Einüben verschiedener Rhythmen bringt viel Leben und Schwung in
die Musizierenden. Erstaunlich, wie das kleine Schellentamburin bei richtigem
Gebrauch eine tragende Rolle in der Perkussionsbegleitung übernehmen kann. Das
Spielen von ungeraden Begleitrhythmen zu einem gradtaktigen Stück und umgekehrt
macht allen Beteiligten sichtlich Spass.
Zusammen mit dem Canarie von J.van den Hove (17. Jh.) gespielt mit Violine,
Bratsche, Cello, Oktav- Prim- und Bass-Gitarre erklingt so eine lebhafte und
freudige Musik durch den alten ehrwürdigen Konservatoriumssaal. Die Spielfreude
und Begeisterung von Jürgen Hübscher überträgt sich schnell auf die Teilnehmer
und diese erhalten dadurch einen guten Einblick in seine Art und Weise, die
Stücke in der Gruppe einzuführen.
Vorstellung der Arbeit von Tina Strinning
Geigenpädagogin des Conservatoire de Lausanne
„les violons dansants“
Inspiriert von ihrer Weiterbildung am Jaques-Dalcroz Institutio Genf, lässt Tina
Strinning die Kinder von Anfang an Grundschritte zu ihrem Stücken ausführen. So
entstehen Choreografien, in denen Metrum, Takt, Rhythmus und das Violinspiel für
die Kinder zu einem Ganzen verschmelzen.
Interessante Teile aus Vortragübungen (gefilmt) vermitteln einen Eindruck der
Leistungen, die die SchülerInnen erbringen können. Nach dem theoretischen Teil
spielen einige ihrer Schüler, die extra von Lausanne angereist sind, ein kleines
Konzert. Bei recht anspruchsvollen Darbietungen in verschiedensten Formationen
erstaunt mich, wie locker und konzentriert die jungen Musiker ans Werk gehen.
Erstaunlich auch die durchwegs gute Intonation trotz Konzentration auf die
Schritte und Bewegungen.
Improvisation nach historischen Grundmuster
Mit Jürgen Hübscher
Anhand des Ballo d`Ullise von Claudio Monteverdi und anderen Stücken zeigt uns
Jürgen Hübsche auf, wie er sich der Renaissance und Barockmusik in einer
spielerisch und sehr kreativen Art annähert, ausprobiert und verwirft, bis die
Musik wieder glänzt, lebt und einem zum Tanze einlädt.
Konzert am Abend mit dem Ensemble „la Volta“
Erstaunlich mit welcher Leichtigkeit und Virtuosität die SchülerInnen im Alter
von 11 bis 19 Jahren die Musik zum Klingen bringen. Das mit Freude aufeinander
Hören und Reagieren beim Zusammenspiel beeindruckt mich sehr. Zwei Tänze werden
von Alain Christen mit viel Einfühlungsvermögen im Stil und der entsprechenden
Robe der Zeit getanzt. Nach einem vergnüglichen Konzert mit 20
Saiteninstrumenten und eben so vielen Rhythmusinstrumenten verabschiedet sich
das „ la Volta“ Ensemble. Ein lang anhaltender Applaus widerspiegelt die
Anerkennung der Leistung und die Freude am Gehörten.
Sonntag:
Das Menuett tanzen und spielend erleben mit Alain Christen
Alain Christens Scharm und Schalk bringen die erwartungsvollen MusikerInnen im
Zunftsaal zu Webern in kürzester Zeit zum Tanzen und Staunen. Ein Menuett nicht
als „schwer leicht leicht“ sondern als „hoch hoch tief“ zu tanzen und fühlen,
ist für mich neu und schön.
Die Ausführungen und Beispiele zu Musik und Tanz am Hofe von Louis XIV begleitet
von der Cembalistin Claire-Anne Piguet bringen den grossen Reichtum des
kulturellen Lebens am Hofe Louis XIV zum Vorschein. Auch über Sinn und Zweck der
Tanzveranstaltungen am Hofe gibt es viel Interessantes zu erfahren.
Interpretation ausgewählter Tanzsätze des Barocks
Nach der Mittagspause tanzt Alain Christen zu verschiedenen Tänzen aus dem
Barock. Seine Aussage, dass bei den Tanzstücken von J.S. Bach meistens kein
Freiraum oder Platz für den Tänzer vorhanden sei, überrascht am Anfang, wird
aber verständlich, wenn man seine Versuche, dazu zu tanzen, beobachtet.
Tanzmusik braucht Freiräume, die dem Tänzer erlauben, seine Kreativität und
Bewegungslust auszuleben. Die Ausführungen und Tanzbeispiele verleihen den
barocken Tanzstücken einen neuen Glanz und Zauber.
Schlussbemerkung
Ein grosses Kompliment der ESTA und der EGTA für das gemeinsame Organisieren
dieses tollen Kurses.
Gut, dass zu vielen Stücken und Themen Kopien abgegeben werden, so dass Frau und
Mann sich aufs Musizieren und Tanzen konzentrieren können . Ein gelungener Kurs!
Für den nächsten Kurs wünschte ich mir 2-3 Einheiten in kleiner Besetzung, wo
Stücke eingeübt und diese dann zum Tanzen für eine andere Gruppe gespielt werden
(Gebrauchsmusik).
Vielen herzlichen Dank an alle Beteiligten in Kursleitung, Organisation und dem
Konservatorium für das zur Verfügung stellen der Räume.
Peter Egli