Kursbericht von Alfred Böhm:
„Alles im Griff“,
Workshop mit Jürg Kindle zum Thema Liedbegleitung.
Jürg Kindle muss man in der Schweizer Gitarrenszene nicht mehr vorstellen. Er ist einer der kreativsten und fleissigsten Herausgeber von zeitgemässer Gitarrenliteratur. Umso mehr waren die Teilnehmer bei der diesjährigen EGTA Tagung gespannt, was zum dargebotenen Thema noch neues kommen sollte.
Zunächst hielt J. Kindle zu meiner Überraschung ein
ausführliches Referat über die Geschichte der Liedbegleitung im
Gitarrenunterricht. Obwohl der vorgetragene Text interessant und ansprechend
war, wünschte ich mir doch mehr direkte Erfahrungen aus der Praxis. Diese wurde
dann mit mehreren Freiwilligen an der Gitarre allerdings auch etwas später
geboten. I
n seinem Referat wies J.K. darauf hin, dass im Unterricht zwar
Liedbegleitung immer wieder gewünscht wurde, aber der Gesang mehr oder weniger
zu wünschen übrig lies. Zu Liedbegleitung gehöre eben auch Gesang. Dabei kann
die Begleitung rhythmisch akzentuiert vergleichbar mit der Funktion eines
Perkussionsinstrumentes sein. Mangels Pflege des Gesanges in Schule und
Elternhaus ist aber das Ergebnis der Kombination beider Elemente zunächst
oftmals unbefriedigend. J.K. motivierte die Teilnehmer die Gitarrenbegleitung
als moderne Schlagzeugpraxis anzusehen und entsprechend mit verschiedenen
Anschlagarten zu beleben. Mit dem Begleitmuster der rechten Hand würde das
Musikstück charakterisiert. Verschiedene Begleitformen bilden dabei die
Farbpalette, mit der verschiedene Stimmungen gezeichnet werden könnten und zudem
auch noch eine persönliche Note hinzugefügt werden kann. Dazu führte er anhand
seines übersichtlich gestalteten Begleitungslexikons „Alles im Griff“ ein paar
anschauliche Beispiele mit den Teilnehmenden vor. Die Kunst bestehe darin, die
Begleitung entsprechend der stilistischen Vorgabe interessant zu gestalten und
von dem reinen „Schrummen“ zu variantenreichen Begleitformen zu finden. Diese
können dann auch wie. J.K. praktisch zeigte im Ensemblespiel auf verschiedene
Teilnehmer aufgeteilt werden. Die Verbindung zum rhythmisch - perkussiven
Element könnte auch für den Unterricht ein belebender Faktor sein und den
Spieler sowohl technisch als auch musikalisch und ganz besonders rhythmisch
wachsen lassen. Dies konnte man mit ein paar Übungseinheiten anhand der
vorgetragenen Beispiele selbst deutlich spüren. Liedbegleitung kann also für den
Unterricht ein durchaus ernstzunehmendes Element bilden und die oft beschworene
Motivation oder das Feuer bei Schülern wieder anfachen helfen. Dies zeigte Jürg
Kindle überzeugend.
Das angesprochene Referat kann auf der Homepage des Referenten nachgelesen werden. http://www.guitarweb.ch/kindle/PDF/liedbegleitung.pdf
Glarus, den 17.10.06 Alfred Böhm