Wie viel teile ich mit meinen Schülerinnen und Schülern?

Von Nadine Schmidt

Ich finde es jeweils sehr rührend wenn auf meine Frage „Wie geht es dir?“ ein „Mir geht es gut und wie geht es ihnen?“ zurückkommt. Diese Rückfrage hat mich allerdings auch schon in schwierige Situationen gebracht. Beispielsweise dann, wenn es mir nicht so gut geht und ich nicht weiss, wie ich die Frage beantworten soll. Viele Befindlichkeiten habe ich schon geteilt. Meine Antworten lauteten beispielsweise: „Heute bin ich etwas müde“ oder „Es ist viel los ich fühle mich gestresst“ Aber wo liegt die Grenze? Was ist zu Privat? Mit welchen Antworten würde ich ein Kind überfordern?

Würde ich es teilen, wenn ich gerade eine Trennung hinter mir habe? Ziemlich sicher nicht. Oder wenn ich einen geliebten Menschen verloren habe? Ich weiss es nicht, glücklicherweise war ich noch nicht in dieser Situation. Allerdings erinnere ich mich an eine Situation, bei der ich 5 Minuten vor Unterrichtsbeginn die Nachricht erhielt, dass mein geliebtes Haustier eingeschläfert werden musste. Bei den zwei Kindern, die ein paar Minuten später zum Unterricht kamen, musste ich dies mitteilen, da ich zum Tierarzt musste und den Unterricht nicht abhalten konnte. Der Junge hat mir die Woche darauf ein Schoggistängeli zum Trost mitgebracht.

Ich leide öfters an Migräneattacken und habe mich schon oft gefragt, ob ich das den Schülerinnen mitteilen sollte, falls sie mich fragen, wie es mir geht. Kinder sind sehr feinfühlig und merken sowieso, wenn etwas anders ist. Daher entscheide ich mich meistens für die Wahrheit. Bei kleineren Kinder nenne ich es jeweils Kopfschmerzen, da sie vermutlich mit dem Begriff Migräne nichts anfangen können. (auch wenn Migräne weit mehr als „nur“ Kopfschmerz ist…) Wenn keine Rückfragen kommen, gehe ich nicht weiter darauf ein und starte mit dem Unterricht. Schlussendlich soll ja der Schüler/die Schülerin im Zentrum stehen und nicht meine Befindlichkeit. 

Das ist meine Art und Weise die Frage „Wie geht es Ihnen?“ zu beantworten. Mir ist es wichtig, ehrlich, nahbar und menschlich zu sein. Für eine gute SchülerInnen-Lehrpersonen-Beziehung finde ich es essentiell, dass der Austausch nicht nur in eine Richtung stattfindet. Mir ist aber bewusst, dass Handhabung mit der Frage „Wie geht es ihnen?“ sehr individuell ist. Wie machst du es? Ich würde mich sehr über einen Austausch freuen! Schreib mir an nadine.schmidt@egta.ch


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